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Borken ohne genmanipulierten Mais

Mitglied im „Bündnis für den Erhalt der gentechnikfreien Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen“


Trecker und Fahrraddemonstration

16.9.2006

Eindrucksvolle Trecker- und Radlerdemo gegen grüne Gentechnik

Ein langer Lindwurm demonstrierender Trecker und Radler zog am Samstag vom TÜV-Gelände in Hovesath durch Borken zum Rathaus. Dort begrüßte im Namen des veran­staltenden "Netzwerks Borken ohne genmanipulierten Mais" der Biolandwirt Johannes Finke Demonstranten und Bevölkerung. Er ging auf Haftungsfragen und festzuschrei­bende Grenzwerte ein. "Für eine gentechnikfreie Landwirt­schaft " auch die konventionelle " ist ein Grenzwert unterhalb der Nachweisgrenze nötig, denn anderenfalls wird es schnell eine Durchseuchung allen Saatgutes geben. Biobauer wird es dann schon gar nicht mehr geben. Das ist alles im Ausland bereits so eingetreten. Deutschland hätte einen Standortvorteil, wenn wir gentechnikfrei produzierten." Finke berichtete von einer Monsanto-Meldung, dass die Stadt Borken über die gentechnisch veränderten Aussaaten informiert worden sei. Er fordere die Stadt Borken auf, zu erklären warum man Bauernschaft und Verbraucher nicht darüber unterrichtet habe.

Ralf Bilke, Agrarreferent des NRW-Landesverbandes des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND NRW) und zugleich Sprecher des ?Bündnis für den Erhalt einer gentechnik­freien Landwirtschaft in NRW?, einem landweiten Zusammen­schluss von Anbau- und Umweltverbänden, Bauern, Lebensmittelverarbeitern, dem Naturkosthandel und der Verbraucherzentrale NRW führte aus: "Der Anbau von Genmais birgt ökologische Risiken und ist zudem völlig überflüssig, da es den Maiszünsler in NRW nicht gibt und er sowieso nur dort auftritt, wo in fehlerhafter Weise angebaut wird. Dass in Borken wie in anderen Orten in NRW seit 1996 heimlich Gentech-Mais angebaut wird, zeigt, dass die gesamte Öffentlichkeit einschließlich der Bauern über Jahre hinweg systematisch hintergangen wurde. Das Bundessortenamt wie auch die Landwirtschaftkammer NRW haben sich offenbar verselbstständigt und eine eigene Politik betrieben, die Monsanto und Co vor unangenehmen öffentlichen Diskussionen bewahren sollte. Es ist ein wahres Kunststück, 10 Jahre lang an mindestens 10 Standorten Genmais anzubauen und dieses unter der Decke zu halten. Wir haben es faktisch mit einem Kartell des Schweigens zu tun. Dies zeigt wie wichtig es ist, den gemeinsamen Protest von Bauern, Umweltschützern und Verbrauchern weiter zu verstärken."

Als Vertreter von Attac Borken sprach Dieter Sauerwald. Er stellte die Einschränkung von demokratischer Willenszoombildung und die Marktmacht und Marktherrschaft in den Vordergrund. "Unstrittig ist, dass die überwältigende Mehrheit der deutschen Bevölkerung keine gentechnisch veränderten Nahrungsmittel haben will. Der permanente Anbau von Gen-Mais ist also eine Missachtung des klar geäußerten Willens der Bevölkerung. Von den 100 stärksten Wirtschaftseinheiten in der Welt sind bereits mehr als die Hälfte nicht mehr Staaten, sondern Großunter­nehmen. Zu diesen gehört Monsanto, das zirka 90 Prozent des weltweiten Marktes an genverändertem Saatgut beherrscht. Parlamente " und damit letztlich Regierungen " können abgewählt werden. Sie sind per Gesetz "dem Wohl des Deutschen Volkes" verpflichtet. Multis aber arbeiten im Interesse der Aktionäre oder anderer Teilhaber. Firmen, wie Monsanto, müssen daran gehindert werden, durch Marktmacht Demokratie zu verdrängen."

Thomas Overkamp forderte als Mitglied von Greenpeace einen besseren Verbraucherschutz: "Der Genreis-Skandal hat doch gezeigt, welche Gefahr bereits von einem Versuchsfeld ausgeht. Ohne dass der Verbraucher es wusste oder wollte, hatte er Gentechnik im Kochtopf! Wenn wir weiterhin Versuchsfelder zulassen, ermöglichen wir gleichzeitig dieses Risiko der ungewollten Vermischung mit unseren Lebensmitteln."

Der Demonstrationszug fuhr anschließend zum Genmaisfeld am Ringkamp nach Borkenwirthe, wo wiederum die Menschen ihren Unmut und ihre Ängste ausdrückten. Beängstigend sei, dass unsere NRW-Regierung das Gentechnikgesetz nun im Alleingang möglichst schnell aufweichen und unser Land zum Gentechnik-Eldorado werden lassen will. Beispielgebend wurde auf die Landwirte in der Region Greven / Ladbergen hingewiesen, wo schon über 200 Bauern freiwillig eine Erklärung unterzeichnet haben, auf gentechnisch veränderte Produkte verzichten zu wollen.

Presse: Bericht vom ZDF im WMV-Format