Demo am Genmais-Acker 9. März 2007
Ablauf
1. Aufstellen eines Hinweisschilds an der Einmündung des Wirther
Kirchwegs in die Kreisstraße
2. Gang zum Acker
3. Reden
Frowin Stemmer (Student, Marbeck/Bocholt) moderiert und spricht
für das Netzwerk
Thomas Overkamp (Handwerker, Borken) spricht für die Greenpeace
Gruppe Borken aus der Sicht von Verbrauchern
Ralf Bilke (Agrarreferent des BUND NRW und Sprecher des Bündnis
für den Erhalt der gentechnikfreien Landwirtschaft in Nordrhein-
Westfalen, Düsseldorf) geht auf die geplante Aufweichung des
Gentechnikgesetzes ein.
Reinhard Fiegenbaum (Landwirt, Ladbergen, Mitinitiator der gentechnik-
anbaufreien Initiative Münsterland) berichtet von den Aktivitäten in der
Region Ladbergen/Greven
4. Ausklang in der Gaststätte „Landhaus Hungerhoff“, Wirther Kirchweg
Es wurde gentechnikfreier Maissamen ausgegeben ( "
Aktion Bantam").
Über 70 Bürgerinnen und Bürger, unter ihnen auch Landwirte mit Traktoren, waren trotz des regnerischen Wetters gekommen und machten friedlich ihrem Unmut lautstark Luft.

Foto: Doro Stemmer

Foto: Maja Saatkamp
Zunächst war am Abzweig des Wirther Kirchwegs von der Kreisstraße ein Schild aufgestellt worden: „Gentechnik bleibt ein Risiko - kein Genmais in Borken!“ Anschließend ging man Richtung Acker, wo in Sichtweite die Reden gehalten wurden.
Frowin Stemmer vom Netzwerk führte durch das Programm. „Auch in diesem Jahr wird das Netzwerk weiter die Bevölkerung informieren. So wird derzeit im Foyer der Familienbildungsstätte im Borkener Vennehof eine Ausstellung gezeigt.“ Grüne Gentechnik sei aus wirtschaftspolitischen und ethischen Gründen abzulehnen, Natur- und Umweltschutz sowie Verbraucherschutz sprächen gleichermaßen dagegen.
Thomas Overkamp von der Greenpeace Gruppe Borken nahm aus Verbrauchersicht Stellung. „Wir Verbraucher wollen keine genmanipulierten Lebensmittel und auch Futtermittel sollten gentechnikfrei sein.“ Massiv forderte er von Politik und Erzeugern ein, den Verbraucherwillen endlich zu akzeptieren. Es sei ein Witz zu glauben, dass sich Pollenflug und Insekten an Abstandsregelungen halten könnten. Patente auf Pflanzen- und Tiergene zuzulassen und die Landwirte mit Lizenzgebühren abzuzocken, sei verachtenswert.
Ralf Bilke, Agrarreferent des BUND NRW und Sprecher des Bündnis für den Erhalt der gentechnikfreien Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen, prangerte die Tatsache an, dass Monsanto trotz der vielen Proteste hier in Borken und etlichen anderen Orten in Deutschland auch in diesem Jahr wieder Genmais anbaut. „Das zeigt, wie sehr dem Unternehmen die Meinung der Bevölkerung egal ist." Auch an die Politik gerichtet appellierte Bilke, „Es ist undemokratisch, die Ablehnung von rund zwei Dritteln der Bevölkerung nicht zur Kenntnis zu nehmen. Ob Ökolandbau oder konventionelle Landwirtschaft: Die Gentechnikfreiheit ist eines der Schlüsselkriterien für unsere heimischen Bauern, auch künftig ihre Produkte vermarkten zu können.“ Die Chancen des boomenden Öko-Marktes würden durch Gentech-Anbau ein für allemal zerstört.
Das Gentechnikbündnis weist zudem die von der Bundesregierung geplante Aufweichung des Gentechnikgesetzes zurück. "Ob Haftung, Mindestabstände oder Standortregister: Würden die Pläne tatsächlich Gesetzesform erlangen, wäre dies das Ende einer Landwirtschaft ohne Gentechnik“, so Bilke weiter. „Die genaue Lage der Anbaufläche in Borkenwirthe kennen wir nur deshalb, weil sie im öffentlichen Standortregister aufgeführt wird. Die Bundesregierung möchte dieses ändern und künftig nur noch grob die Gemarkung benennen. Minister Seehofer wie auch NRW Landwirtschaftminister Uhlenberg wollen die Bevölkerung künftig absichtlich im Unklaren lassen, um so deren Proteste vor Ort zu erschweren.“ Ein solches Ansinnen bedeutet Abbau von Demokratie. Die Erfahrungen z.B. im Münsterland hätten vielmehr gezeigt, dass gerade die Geheimhaltung der Flächen den vorhandenen Unmut gegenüber Gentech-Anbau noch verstärkt hätte.

Foto: Maja Saatkamp
Aus Ladbergen war der Mitinitiator der gentechnikanbaufreien Initiative Münsterland, Reinhard Fiegenbaum gekommen. „Schon 331 Neben- und Vollerwerbslandwirte haben eine Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben und produzieren gentechnikfrei. Da das Netzwerk auch im Westmünsterland Unterschriften sammelt, ist zu hoffen, dass sich das Münsterland bald als gentechnikfreie Region bezeichnen kann.“ Die Kommunen Ladbergen, Saerbeck, Greven, Lengerich und Emsdetten hätten ? anders als Borken und der Kreis Borken ? beschlossen, auf gemeindeeigenen Flächen keine gentechnisch veränderte Organismen zu verwenden, sowie in Schulen und Kindergärten auf gentechnikfreie Ernährung zu achten. Gewandt an seine Bauernkollegen sagte Fiegenbaum: „Aufgrund der Patentierung von Pflanzen- und demnächst Schweinegenen drohen uns Klagen der Konzerne, wenn wir keine Lizenzgebühren zahlen. Landwirte, die sich auf die Gentechnologie einlassen, begeben sich in eine Abhängigkeit, deren Ausmaß immens ist: Terminator-Saatgut ist nur einjährig, Saatgut und Herbizide müssen vertraglich bei der Firma Monsanto gekauft werden. Und weil sich mittlerweile schon Resistenzen bei rund 15 Unkräutern entwickelt haben, müssen Gentechnikbauern neue, zusätzliche Spritzmittel von Monsanto kaufen und anwenden.“
Viele Demonstranten saßen anschließend in der Gaststätte ‚Landhaus Hungerhoff’ noch bis in den Abend hinein gemütlich beieinander.
WDR, Nachrichten aus dem Münsterland vom 10.03.2007 (12:44 Uhr)
"Gen-Technik-Demo in Borken
An einem Genmais-Versuchsfeld in Borken haben rund 70 Naturschützer, Landwirte und Anwohner gegen genmanipulierte Lebensmittel demonstriert. Redner forderten einen Stopp der so genannten grünen Gentechnik und lobten die ersten Schulen sowie Kindergärten im Münsterland, die keinerlei genmanipulierte Lebensmittel zuließen."
Schild raus gerissen und entfernt !

Nur kurz blieb das gerade errichtete Schild stehen, nur Tage später wurde es raus gerissen und dann auf bisher Nimmerwiedersehen entfernt.
Nicht die Gegener der Grünen Gentechnik sind gewalttätig, sondern offenbar andere.
Aber, alles wurde beobachtet. Der gute Willen der Netzwerker, die eine gütliche Einigung im persönlichen Gespräch erreichen wollten, wurde ausgeschlagen; es kam zur Anzeige. Inzwischen hat das Amtgericht Borken einen Strafbefehl erlassen und weil der beschuldigte Widerspruch eingelegt hat, wird es nun wohl noch ein gerichtliches Nachspiel haben.
Und ggf. wird das Netzwerk anschließend noch eine Schadensersatzklage anstrengen.